
In einem KMU ist meistens klar, wer ans Telefon geht, Rechnungen schreibt und die Buchhaltung vorbereitet. Für die Sichtbarkeit gibt es dagegen oft keine feste Zuständigkeit. Sie wird erledigt, wenn gerade Zeit bleibt. Und genau deshalb bleibt sie häufig liegen.
Dabei beginnt die Entscheidung für einen Betrieb oft lange vor dem ersten Anruf. Menschen suchen bei Google, vergleichen Bewertungen, schauen sich das Unternehmensprofil an oder fragen einen KI-Assistenten nach einer passenden Empfehlung. Wer online nicht mit verlässlichen Informationen präsent ist, wird bei dieser Auswahl möglicherweise gar nicht berücksichtigt.
Die Lösung ist nicht, jede Woche eine neue Marketingkampagne zu starten. Viele wichtige Aufgaben lassen sich als wiederkehrende Routine organisieren: Bewertungen anfragen, Unternehmensinformationen aktuell halten und regelmässig prüfen, wie der Betrieb in Suchmaschinen und KI-Antworten erscheint.
Warum Sichtbarkeit im KMU liegen bleibt
Meistens fehlt nicht der Wille, sondern ein klarer Platz im Alltag. Drei Gründe kommen besonders häufig zusammen:
Niemand ist zuständig
Sichtbarkeit gehört scheinbar allen. Der Inhaber kümmert sich darum, wenn Zeit bleibt, das Büro hat bereits genug Aufgaben und die Mitarbeitenden auf der Baustelle denken verständlicherweise zuerst an den Auftrag. Ohne feste Zuständigkeit wird nichts konsequent weitergeführt.
Andere Aufgaben sind dringender
Eine Rechnung muss heute raus, ein Kunde wartet auf einen Rückruf und ein Termin hat sich verschoben. Ein fehlendes Foto im Google-Profil oder eine unbeantwortete Bewertung wirkt daneben selten dringend. Die Aufgaben sammeln sich an, bis das Profil veraltet ist und die letzte Bewertung Monate zurückliegt.
Ausgaben werden nicht mit Anfragen verbunden
Verzeichnis-Abos und Anzeigen können Kosten verursachen, ohne dass der Betrieb weiss, welche Anfragen tatsächlich daraus entstehen. Ein Dienstleistungsbetrieb, mit dem wir gesprochen haben, bezahlte beispielsweise rund CHF 900 pro Monat für Anzeigen und ein Verzeichnis-Abo, konnte den konkreten Nutzen aber kaum beurteilen. Der erste Schritt war deshalb nicht eine neue Kampagne, sondern eine Bestandsaufnahme.
Was sich bei der Suche verändert
Die klassische Google-Suche bleibt wichtig. Gleichzeitig können Suchanfragen heute auch direkt an KI-Assistenten wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini gehen. Diese Systeme fassen Informationen zusammen, nennen mögliche Anbieter und verweisen je nach Frage auf Quellen. Die Antworten können sich je nach System, Standort und Formulierung unterscheiden.
Es gibt deshalb nicht eine einzige feste Position, die für alle KI-Antworten gilt. Ein Betrieb kann bei einer Frage erscheinen und bei einer anderen fehlen. Auch die Quellen unterscheiden sich: Neben der eigenen Website können öffentliche Verzeichnisse, Unternehmensprofile, Bewertungsplattformen, Fachseiten oder andere Onlinequellen eine Rolle spielen.
Für Google selbst gilt weiterhin: Die grundlegenden SEO-Prinzipien bleiben auch für KI-Funktionen in der Suche relevant. Google nennt keine speziellen technischen Optimierungen, die eine Aufnahme in AI Overviews garantieren. Eine Seite muss unter anderem indexierbar sein und hilfreiche, zuverlässige Informationen bieten. Mehr dazu steht in Googles Dokumentation zu KI-Funktionen in der Suche.
Für KMU bedeutet das: Es lohnt sich nicht, geheimen KI-Tricks hinterherzulaufen. Wichtiger sind klare Leistungsbeschreibungen, korrekte Unternehmensdaten, nachvollziehbare Referenzen und aktuelle Informationen an den Orten, an denen Kunden nach Ihnen suchen.
Drei Routinen mit konkretem Nutzen
1. Bewertungen nach abgeschlossenen Aufträgen anfragen
Viele zufriedene Kunden schreiben keine Bewertung, obwohl sie mit der Arbeit zufrieden waren. Oft fehlt schlicht die Gelegenheit oder eine einfache Erinnerung. Eine feste Routine hilft: Nach Abschluss eines Auftrags erhält der Kunde eine kurze Nachricht mit einem direkten Link zur Bewertungsseite.
Wichtig ist, alle Kunden nach denselben Regeln anzusprechen. Fragen Sie nicht nur jene an, bei denen Sie eine positive Bewertung erwarten, und bieten Sie keine Vergünstigungen für Bewertungen an. Google untersagt unter anderem gekaufte oder incentivierte Bewertungen sowie das gezielte Einholen nur positiver Rückmeldungen. Die Richtlinien zu Nutzerbeiträgen auf Google Maps legen diese Grenzen fest. Der Zeitpunkt kann an einen sauberen Prozess gekoppelt werden, zum Beispiel an den Abschluss des Auftrags oder den Versand der Schlussrechnung. Die Nachricht sollte freundlich, kurz und freiwillig sein.
Auch Antworten auf Bewertungen lassen sich vorbereiten. Eine Person im Betrieb prüft den Entwurf, ergänzt bei Bedarf eine persönliche Antwort und veröffentlicht ihn. So bleibt die Kommunikation authentisch und es werden keine automatischen Antworten veröffentlicht, die nicht zur Situation passen.
2. Google-Unternehmensprofil und Verzeichnisse aktuell halten
Das Google-Unternehmensprofil ist für viele lokale Suchen ein wichtiger Kontaktpunkt. Prüfen Sie regelmässig, ob Öffnungszeiten, Telefonnummer, Adresse, Leistungen, Kategorien und Einzugsgebiet noch stimmen. Aktuelle Fotos aus echten Projekten helfen Interessierten, sich ein Bild vom Betrieb zu machen. Fragen und Bewertungen sollten nicht unbeantwortet bleiben.
Google beschreibt die lokale Platzierung anhand von Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Vollständige Unternehmensinformationen helfen, den Betrieb passenden Suchanfragen zuzuordnen. Auch Bewertungen und Verweise von anderen Websites können zur Bekanntheit beitragen. Die Details finden Sie in Googles Hinweisen zur lokalen Platzierung.
Dasselbe Prinzip gilt für Branchenverzeichnisse wie local.ch oder search.ch: Name, Adresse, Telefonnummer und Leistungsangaben sollten korrekt und möglichst konsistent sein. Ändert sich eine Telefonnummer oder Adresse, sollte die Änderung nicht nur auf der Website erfolgen. Ein zentral gepflegter Datensatz erleichtert es, die wichtigsten Einträge nachzuführen.
Ein monatlicher Beitrag oder ein neues Foto kann sinnvoll sein, sollte aber aus dem tatsächlichen Betrieb entstehen. Ein abgeschlossenes Projekt, eine saisonale Leistung oder eine häufige Kundenfrage liefert meist bessere Inhalte als ein Beitrag, der nur veröffentlicht wird, um aktiv zu wirken.
3. Sichtbarkeit in KI-Antworten regelmässig prüfen
Beginnen Sie mit den Fragen, die Ihre Kunden tatsächlich stellen würden. Zum Beispiel: «Welche Garage in Chur ist auf Elektroautos spezialisiert?», «Wer installiert in Bern eine Ladestation?» oder «Welcher Malerbetrieb in Winterthur übernimmt Renovationen?» Formulieren Sie zehn bis fünfzehn konkrete Fragen mit Orts- und Leistungsbezug.
Prüfen Sie diese Fragen in den für Sie relevanten Systemen, etwa ChatGPT, Perplexity, Gemini und der KI-Suche von Google. Halten Sie jeweils fest, ob Ihr Betrieb genannt wird, wie er beschrieben wird, welche Quellen verlinkt oder zitiert werden und welche Mitbewerber erscheinen.
Wichtig ist ein vergleichbarer Ablauf: Verwenden Sie möglichst dieselben Fragen, dieselbe Region und einen regelmässigen Prüfzeitpunkt. Einzelne Antworten sind Momentaufnahmen. Erst über mehrere Monate entsteht ein Bild davon, ob sich Ihre Präsenz verbessert, gleich bleibt oder zurückgeht.
Aus der Prüfung sollten konkrete Aufgaben entstehen: ein falscher Verzeichniseintrag, eine unklare Leistungsbeschreibung, eine fehlende Referenz oder eine veraltete Information. So wird aus einem abstrakten KI-Sichtbarkeitswert eine nachvollziehbare To-do-Liste.
Was ausserdem im Hintergrund laufen kann
- Referenzen aus abgeschlossenen Projekten. Fotos und Eckdaten werden gesammelt und nach Freigabe für eine Referenz auf der Website vorbereitet.
- Service-Erinnerungen. Bestehende Kunden erhalten zum passenden Zeitpunkt eine Erinnerung an Wartung, saisonale Leistungen oder einen vereinbarten Folgetermin.
- Anfragen aus Werbekampagnen zuordnen. Anfragen aus Google, Meta oder LinkedIn werden mit ihrer Herkunft im Betriebssystem erfasst. So lässt sich später prüfen, welche Kanäle tatsächlich Kontakte und Aufträge bringen.
- Monatsbericht erstellen. Bewertungen, Profilaktivität, Website-Anfragen und Ergebnisse der KI-Prüfung werden an einem Ort zusammengeführt.
Solche Abläufe müssen nicht alle gleichzeitig eingeführt werden. Sinnvoll ist, mit den Aufgaben zu beginnen, die regelmässig anfallen und heute zuverlässig vergessen gehen.
Was sich nicht automatisieren lässt
Die Empfehlung eines KI-Systems
Ob ein KI-System Ihren Betrieb nennt, lässt sich nicht garantieren. Die Auswahl hängt vom jeweiligen System, der Frage, dem Standort und den verwendeten Quellen ab. Wer eine sichere Erwähnung verspricht, verspricht mehr, als sich seriös steuern lässt.
Die Qualität Ihrer Arbeit
Automatisierung kann Informationen sammeln und veröffentlichungsfertige Entwürfe vorbereiten. Sie kann aber keine echte Kundenerfahrung ersetzen. Gute Bewertungen, aussagekräftige Referenzen und hilfreiche Fachinformationen müssen aus dem Betrieb kommen.
Die persönliche Verantwortung
Bewertungen, Unternehmensangaben und Inhalte sollten geprüft werden. Gerade bei Reklamationen, sensiblen Kundensituationen oder fachlichen Aussagen braucht es einen Menschen, der Verantwortung übernimmt und entscheidet, was veröffentlicht wird.
Die Zeit bis zur Wirkung
Sichtbarkeit entwickelt sich nicht über Nacht. Daten müssen bereinigt, Inhalte verbessert und Routinen über längere Zeit eingehalten werden. Ein monatlicher, echter Fortschritt ist wertvoller als eine grosse Kampagne, nach der wieder monatelang nichts passiert.
So wird Sichtbarkeit zu einer verlässlichen Routine
- Eine verantwortliche Person bestimmen. Es braucht keine eigene Marketingabteilung. Eine Person koordiniert die monatliche Prüfung und sorgt dafür, dass Rückmeldungen und Freigaben nicht liegen bleiben.
- Die Grundlagen bereinigen. Google-Unternehmensprofil, Website und wichtige Verzeichniseinträge auf korrekte Angaben prüfen. Leistungen und Einsatzgebiet klar beschreiben.
- Bewertungsanfragen in den Abschluss integrieren. Nach jedem abgeschlossenen Auftrag wird nach derselben Regel eine freiwillige Bewertungsanfrage versendet.
- Einen monatlichen Pflegetermin festlegen. Neue Fotos und Referenzen prüfen, Profilinformationen aktualisieren und offene Bewertungen beantworten.
- KI-Antworten mit festen Fragen kontrollieren. Erwähnungen, Beschreibungen, Quellen und Mitbewerber über die Zeit vergleichen.
- Aufwand und Ergebnis zusammen betrachten. Neue Anfragen, Anruf- und Formularaktionen sowie die Herkunft der Kontakte auswerten. Anzeigen und Abos, die keinen nachvollziehbaren Beitrag leisten, kritisch überprüfen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Renovationsbetrieb mit fünf Mitarbeitenden führt eine zentrale Betriebsplattform ein, in der Kunden, Offerten, Rechnungen und Rapporte zusammenlaufen. Die Sichtbarkeit wird nicht als separates Projekt behandelt, sondern an die bestehenden Abläufe angeschlossen: Anfragen von der Website landen direkt als Vorgang im System. Nach Abschluss eines Auftrags wird eine Bewertungsanfrage vorbereitet. Projektfotos können nach Freigabe für die Website und das Google-Profil verwendet werden. Einmal im Monat wird geprüft, wie der Betrieb in relevanten KI-Antworten erscheint und welche Quellen dabei eine Rolle spielen.
Der Inhaber erhält damit nicht einfach weitere Marketingaufgaben. Er bekommt eine überschaubare Routine und einen Bericht, auf dessen Grundlage er entscheiden kann, was als Nächstes sinnvoll ist.
Häufige Fragen
Lässt sich Sichtbarkeit wirklich automatisieren?
Wiederkehrende Aufgaben lassen sich weitgehend organisieren: Bewertungsanfragen, Erinnerungen, Profilpflege, Datensynchronisation und Berichte. Die Qualität der Inhalte und die Entscheidung eines Such- oder KI-Systems bleiben ausserhalb der vollständigen Kontrolle.
Wie oft sollten wir KI-Antworten prüfen?
Für viele KMU ist eine monatliche Prüfung ein sinnvoller Start. Verwenden Sie dieselben Fragen und dokumentieren Sie die Ergebnisse. So werden Veränderungen erkennbar, ohne dass täglich einzelne Antworten kontrolliert werden müssen.
Was tun, wenn eine KI etwas Falsches über uns sagt?
Suchen Sie zuerst nach der Quelle der Information. Prüfen Sie, ob ein Verzeichnis, eine alte Website-Seite oder ein anderer öffentlicher Eintrag veraltet ist. Korrigieren Sie die Information möglichst direkt an der Quelle und stellen Sie die korrekte Beschreibung auf Ihrer eigenen Website klar dar.
Brauchen wir dafür eine neue Website?
Nicht zwingend. Eine bestehende Website kann genügen, wenn Leistungen, Regionen und Kontaktmöglichkeiten klar erkennbar sind und die wichtigen Inhalte von Suchmaschinen gefunden werden können. Erst eine Bestandsaufnahme zeigt, ob Anpassungen reichen oder eine Erneuerung sinnvoll ist.
Ersetzt KI-Sichtbarkeit die klassische SEO-Arbeit?
Nein. Klassische Suche bleibt relevant. KI-Antworten kommen als zusätzlicher Kontaktpunkt dazu. Viele Grundlagen wie verständliche Inhalte, saubere technische Erreichbarkeit und korrekte Unternehmensinformationen sind für beide Bereiche wichtig.
Der nächste Schritt
Ob Ihr Betrieb heute in KI-Antworten erscheint, lässt sich mit konkreten Kundenfragen prüfen. Mit der kostenlosen Sichtbarkeitsanalyse erhalten Sie einen ersten Überblick und sehen, wo sich ein genauerer Blick lohnt.